Die ultimative Anleitung für frische Führungskräfte

Die Bruecke

Sommer 2008. Kurz vor einer neuen, beruflichen Ära. Voller Vorfreude und ungeduldig wartet mein 26 jähriges Ich auf den Start.

Bald beginnt mein Management Trainee Programm. Bedeutet: 6 Hotel Abteilungen in 18 Monaten stehen auf dem Plan.

Nicht ganz Mitarbeiter, nicht ganz Manager. Viele Projekte, erste Verantwortungen und viel neuer Input. Kennzahlen, Leadership und Abläufe im gesamten Hotel.

Ich gehe in das Büro meines F&B Managers.

„Hast du Tipps für mich? Kann ich schon irgendwas vorher machen?“

Motiviert, hungrig und voller Vorfreude auf die neue Ära als Food and Beverage Management Trainee will ich die Welt erobern. Ich will Verantwortung. Ich will ein guter Leader werden.

Er lehnt sich zurück in seinen Stuhl und sagt leise:

„Verbrenne nicht alle Energie beim Start. Zünde stufenweise. Das Programm geht 18 Monate, lege immer wieder eine Schippe drauf und steigere dich.“

Auch wenn ich mir mehr erhofft hatte. Sein Tipp war für mich, für den Moment die beste Empfehlung. Das habe ich natürlich erst weitaus später verstanden…

Berlin
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OK, dass war eine kleine Zeitreise in das Jahr 2008, als ich meine ersten, zarten Führungserfahrungen sammeln durfte. Doch zurück ins Heute, zurück zum wichtigsten Teil: zu dir und deinem Plan, Chefin zu werden… oder auch Chef!

Denn in diesem Beitrag geht es um das Thema Nachwuchsführungskraft. Egal ob du bereits eine frische Führungskraft bist oder noch überlegst, ob du den Sprung Richtung Führung wagen sollst.

Folgende Inhalte findest du in diesem Artikel:

Inhaltsverzeichnis

Im dunklen Walde
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Soll ich es nun machen, oder lass ich es lieber sein?

Der Sprung von der Fachkraft Richtung Führungsparkett ist eine große Herausforderung. Viele Angestellte sehen einen Reiz in einer Führungsrolle durch finanzielle Vorteile und den höheren Status.

Doch die Annehmlichkeiten haben einen hohen Preis. Das ist die Kehrseite der Medaille, die immer dazu gehört. Selbstverantwortung und Verantwortung für das Team. Es zählt nicht mehr länger die einzelne Leistung, sondern entscheidend ist das Team Ergebnis.

Aus meiner Sicht helfen dir die folgenden zwei Fragen, ob eine Karriere als Führungskraft für dich sinnvoll ist. Und auch für die anderen Beteiligten, also dein zukünftiges Team, deine Chefin und die Firma.

Denn wenn die Nummer daneben geht, leidest nicht nur du. Bedenke das bei deiner Entscheidung.

Big picture

Was ist dein „big picture“? Wo willst du hin im Leben? Was ist dir langfristig wichtig und was ist dir weniger wichtig? Was ist dein Leitstern, an dem du dich orientierst? Passt das, wo du hin möchtest zu deinem geplanten Weg? Klar, Umwege können uns auch mal weiter bringen, doch die Richtung sollte stimmen.
Wenn der Karriereweg als Führungskraft Richtung Süden zeigt, doch dein persönlicher Leitstern Richtung Norden wirst du nicht glücklich werden mit der Führungsrolle. Zeichne dein Bild, deine Ideen, Wünsche und Träume (oder schreibe sie auf). Und frage dich: Passt die angestrebte Führungsrolle da rein?

Teamplayer

Bist du ein Teamplayer? Die zweite Frage ist viel simpler und weniger komplex als die erste. Es gibt nur Ja oder Nein. Der einsame Leitwolf, wie man ihn früher als Boss kannte, ist lange Geschichte.
Du musst es lieben, mit Menschen zu connecten. Du musst es lieben, Menschen größer und stärker zu machen. Du musst lieben, dass nicht deine Einzelleistung zählt, sondern die deines Teams.

OK, jetzt denkst du, so einfach ist das? Yes! Wenn du dir die Mühe machst und Frage 1 intensiv für dich skizzierst, wirst du erkennen, ob der Weg der Führungskraft für dich der richtige ist.

Wenn du Frage 2 mit Nein beantwortest-dann rate ich dir von einer Führungsrolle ab.

Sun rise
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„Was ist denn mit Introvertierten, können die gute Führungskräfte werden?“

Ja, auf jeden Fall! Ein guter Chef oder Chefin muss weder unbedingt extravertiert noch introvertiert sein. Entscheidend ist der Faktor Teamplayer. Das muss nicht immer der „laute“ Typ sein. Wer keine Freude daran hat, mit Menschen zu arbeiten und diese zu entwickeln wird nicht erfolgreich werden können als Führungskraft.

Extraversion und Introversion allein sind keine positiven oder negativen Merkmale für eine Führungskraft. Ja, die extravertierten Chefs fallen eher auf. Doch dafür sind die introvertierten Führungskräfte die besseren Zuhörer und oft auch empathischer.

„OK, alles passt, ich will Führungskraft werden! Das hört sich gut an!“

Moment, nicht so schnell… wenn du glaubst, dass es so einfach ist, dann liegst du falsch. Denn die richtige, harte Arbeit fängt erst jetzt an. Bevor es richtig losgeht und du startest in deiner Rolle (beziehungsweise mit der Einarbeitung) empfehle ich dir zwei Dinge:

Die Vorbereitung auf deine Führungsaufgabe

Kommunikations Skills aufbauen

Da nun nicht mehr deine eigene Leistung entscheidet über deinen Erfolg musst du intensiv an deinen Kommunikationsfähigkeiten arbeiten. Wie präsentiert man? Wie setzte ich Körpersprache, Rhetorik und Betonungen sinnvoll ein? Wie vermittle ich Themen an mein Team? Wenn du eine Aufgabe oder ein Thema schlecht kommunizierst, wird dein Team nicht die volle Leistung bringen. Investiere hier viel Zeit und Hirnschmalz.

Verlasse dich nicht nur auf die Trainings und Schulungen, die deine Firma anbietet, sondern kümmere dich zusätzlich selbst.

Lese Bücher zum Thema, schaue Videos und übe. Übe, übe und übe…

Glaube mir, dieses Thema wird von den meisten Menschen unterschätzt im Führungskontext.

Methoden lernen

Auch hier gilt: Was deine Firma dir an Möglichkeiten bietet solltest du nutzen. Doch darüber hinaus werde selbst aktiv. Welche Führungsmethoden gibt es? Welche Techniken und welche Tipps und Tricks kannst du schon im Vorfeld sammeln. Videos, Schulungen, Bücher… mache dir ein Bild von den verschiedensten Methoden.

Die Informationen bei diesen beiden Punkten bitte nicht nur stumpf „konsumieren“-sondern aktiv lernen. Mache dir Notizen, schreibe dir die für dich relevantesten Dinge auf, markiere Texte und so weiter….

Ich liebe die Notes Funktion, die inzwischen jedes Smartphone besitzt. Natürlich geht es auch „old school“ mit Notizbuch und Stift. Reines Lernen nützt dir wenig-du musst das Gelernte festigen.

Widme dich diesen beiden Punkten intensiv. Stelle dir aus dem reichen Pool der Möglichkeiten an Kommunikations Skills und Führungs Methoden ein kleines „Köfferchen“ zusammen, mit den Dingen die zu dir passen.

Brandenburger Tor und Quadriga
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Es geht los-Die erste Zeit als Führungskraft

Okay, es geht los! Du bist drin in der neuen Aufgabe beziehungsweise in der Einarbeitung. Sauge alle Informationen auf, die du bekommen kannst und mache dir, so wie beim vorherigen Punkt, Notizen. Notizen über Notizen, schau sie dir abends an und versuche erste Schlüsse zu ziehen.

Besonders in den ersten hundert Tagen ist es ratsam, sich einen Überblick zu verschaffen. Mache dir vorher einen Plan, was du genau erreichen möchtest. Und rechne damit, dass der Plan viel zu ambitioniert ist.

Denn: Troubleshooting nimmt keine Rücksicht auf deine Pläne und Ziele. Behalte das im Hinterkopf und stelle dich darauf ein. Setze dich direkt zu Beginn mit deiner Vorgesetzen zusammen und kläre die Erwartungshaltung. Hinterfrage solange, bis du denkst alles verstanden zu haben. Woran macht sie eine gute Führungskraft aus? Was sind No-Go`s?

Denn: wer entscheidet darüber ob du als Führungskraft gut unterwegs bist oder nicht? Du? Nein. Dein Team? Nein. Dein direkter Vorgesetzter. Niemand anderes. Bedenke das stets. Falls die Beziehung nicht gut funktioniert gibt es zwei Optionen: Arbeite daran, dass die Beziehung besser wird. Oder suche dir einen anderen Job. Hört sich hart an und dass ist es auch.

Warum ist das so? Wenn die Zusammenarbeit mit deinem direkten Vorgesetzen nicht klappt, wirst du noch so schöne Ergebnisse mit deinem Team erzeugen können, es wird dir nichts bringen. So wie immer wieder gegen eine Wand laufen. Achtung, ich meine nicht dass ihr „best buddies“ sein sollt-nein, es geht darum eine gute, funktionierende Beziehung auf der Arbeitsebene zu haben.

Deshalb setze viel Kraft darauf von deiner Seite, dass es klappt. Und wenn es partout nicht klappen will, beende die Geschichte.

3 Tipps für deine ersten 100 Tage als Führungskraft

Wie sind die ungeschriebenen Gesetze der Firma? Nicht das Bild, was die Bosse sehen wollen. Sondern wie ticken die Mitarbeiter? Versuche die Perspektiven zu verstehen.

Tausche dich mit den erfahrenen Führungskräften intensiv aus. Gehe auf sie zu und bitte um Rat. Das ist kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil.

Wie ist der aktuelle Status Quo in der Firma beziehungsweise in der Abteilung? Was läuft gut und was läuft nicht gut?

Der Stamm
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Die drei goldenen Tipps für zukünftige Chefinnen und Chefs

  1. Sei vorhersehbar für dein Team
  2. Mache keine Schnellschüsse
  3. Lerne sinnvolles Delegieren

Okay, falls du jetzt ein paar Fragezeichen über deinem Kopf hast möchte ich dir sagen, warum diese drei Tipps Gold wert sind: Sie werden dein Leben als Führungskraft einfacher gestalten und das deines Teams. Es ist ein Alptraum für jede Mannschaft, wenn der Chef mal heute so und morgen so auf die gleiche Sache reagiert.

Wenn der Mitarbeiter A macht, sollte sie ungefähr ahnen wie die Chefin reagiert. Im Negativen so wie im Positiven. Wenn der Chef alles selbst macht, „weil es einfacher ist bevor der andere das versteht“ zeigt es nicht nur mangelndes Vertrauen gegenüber dem Team. Dazu kommt noch, dass sich dein Team nicht weiterentwickeln kann, wenn du nicht delegierst.

„Warum soll ich keine Schnellschüsse machen? Ich muss doch zügig reagieren als Chef!“ denkst du jetzt?

Fast richtig-ja, du sollst nicht zu lange mit deinen Entscheidungen zaudern. Noch schlimmer ist es, wenn du gar keine Entscheidung triffst. Denn das ist auch eine Entscheidung. Denk drüber nach. Doch ein Schnellschuss, der nicht überdacht und emotional abgefeuert wird ist ebenso schädlich.

Ich verspreche dir, wenn du diese drei goldenen Tipps dauerhaft umsetzt, wirst du viele verführerische Fehler direkt vermeiden.

The final countdown

Okay, ich hoffe du konntest dir was mitnehmen! Eine Führungskraft zu werden macht Spaß-doch nicht jedem Menschen. Prüfe das vorher gewissenhaft für dich.

Es gibt viele Chefs und Chefinnen, die eigentlich nie dahin wollten wo sie heute sind. Und unglücklich sind. Gelockt und getriggert vom Status, dem Geld oder auch dem Umfeld („du musst doch jetzt auch mal Chef werden!“)

Wir verbringen 30% unseres Lebens mit Schlafen und weitere 16% mit dem Job. Das ist fast die Hälfte unseres Lebens! Bedeutet: Job und Matratze müssen wir weise wählen. Das muss beides gut zu uns passen. Bei diesen beiden Faktoren sollten wir keine Kompromisse machen.

Denn: die besten Trainings, Ratschläge und Ideen können eine Sache niemals ersetzen-die Erfahrungen in der Praxis.

Das Gefühl, wenn du das erste Mal „hinters Licht geführt wirst“. Das Gefühl, wenn du mit deinem scheinbar „perfekten“ Plan voll gegen die Wand fährst. Das Gefühl, wenn du auf das „falsche Pferd“ gesetzt hast. Denn diese Momente, diese Fehler bringen dich auf das nächste Level. Das kann dir niemand vorher eintrichtern (falls es dir jemand verspricht-dann ist er ein Scharlatan). Das ist wie das „heiße Herdplatte“ anfassen als Kind. Darüber sprechen ist nicht dasselbe.

Ich wünsche dir viel Erfolg in deiner Führungsrolle und lehrreiche Erfahrungen!

Ich würde mich freuen, wenn du mir von deinen Erfahrungen berichtest. In den Kommentaren oder direkt an mich.

Bahn und Sonnenaufgang
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Veröffentlicht von Tobias Völlmecke

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